Don Pasquale

6. November 2013

Kritik von “Dido und Aeneas” in den Oberösterreichischen Nachrichten

Dido und Aeneas als bewegendes Kammerspiel um Liebe und Tod

Musiktheater: Henry Purcells barocke Oper, zu erleben in der Blackbox, sollte man sich nicht entgehen lassen.

Dido und Aeneas als bewegendes Kammerspiel um Liebe und Tod

Martin Achrainer und Martha Hirschmann als Dido und Aeneas Bild: Brachwitz

Daniela Kurz – spätestens seit der grandiosen Orphée-Inszenierung 2007 in Linz bestens bekannt – war auch die Regisseurin von Henry Purcells Oper „Dido and Aeneas“, die ihre vielbejubelte Premiere feierte. Aus dem durch Ovids Metamorphosen überlieferten Stoff gestaltete Daniela Kurz ein veritables Psychodrama, bei dem alle Figuren in einem Kulminationspunkt – Dido – verschmelzen.

Dido aus der Perspektive von außen gesehen, aber auch von innen erfüllt mit all ihren Leidenschaften, von überschwänglicher Liebe über Hass bis zur Hingabe in den Tod. Leidenschaften, die die Protagonisten rund um sie mittragen. Dido ist nicht sie selbst, sondern eine Reflexion ihrer Umwelt, die ständig in Bewegung ist und immer neue Facetten von sich selbst und von ihrer Vision der Dinge zeigt. Dazu passt die offene Bühnenform perfekt. Wie und wo die Akteure auf den beiden Spielflächen stehen, ist bewusst geplant: wie sie dorthin gelangen, wie sie ihr Gesicht dem einen Teil des Publikums, das auf Pappkartons rund um die Spielfläche sitzt, zeigen bzw. dem anderen Teil der Zuschauer abwenden. Das schärft den Fokus auf einzelne ineinandergreifende Szenen immens. Ein feiner Kunstgriff ist auch die choreographische Umsetzung, die auch die Sänger zu beachtlichem körperlichen Einsatz zwang. Auch die von Daniela Kurz entworfenen Kostüme und die sparsame Bühne beeindruckten.

Musikalisch begeisterten vor allem die Sänger. Allen voran Martha Hirschmann als darstellerisch wie gesanglich zutiefst beeindruckende Dido, die an ihrer unsterblichen Liebe zerbricht. Sie ist es auch, die stilistisch der Musik am nächsten kam. Fein auch Claudia Goebl als quicklebendige Belinda (auch erste Hexe) und Cheryl Lichter, die als zweite Frau und zweite Hexe perfekt harmonierte.

Vor allem körperlich beeindruckend als auch sängerisch einwandfrei war „Aeneas“ Martin Achrainer. Sven Hjörleifsson war Zauberin, Geist und Seemann und fand trotz des vielfältigen und vor allem körperlich intensiven Einsatzes zu einer überzeugenden sängerischen Leistung. Großartig die wie Lemuren zwischen den Charakteren umherschleichenden Tänzer – Samuel Delvaux, Leonardo Rodrigues und Nefeli Skarmea. Für die im Programmheft vielfach gepriesene erste Kammeroper erschien der Chor für den intimen Raum klanglich überdimensioniert. Das eingangs vorangestellte Anthem „Hear my Prayer“ verfehlte so seine durchaus sinnvoll angedachte Wirkung. Die Musiker des Bruckner Orchesters unter Takeshi Moriuchi musizierten animiert, konnten aber nicht verbergen, dass Purcell nicht ihre angestammte Musik ist und dass sie mit historischer Musikpraxis nur wenig anfangen können.

Dennoch gelang ein für die dramaturgische Idee und auch für die emotionale Wirkung durchaus geeignetes Klangbild. Ein gestimmtes Cembalo wäre kein Fehler gewesen. Eines der vor Ort ansässigen Barockensembles hätte bei wesentlich kleinerer Besetzung wohl mehr Furore gemacht. Trotzdem ist hier eine ausnehmend interessante, hervorragend umgesetzte Produktion gelungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

„Dido and Aeneas“: Henry Purcells Oper, Premiere, 25.10.

OÖN Bewertung: